Stadt Schüttorf

Faires Wirtschaftsfrühstück im Zeichen von Digitalisierung und gesellschaftlichem Engagement

Pünktlich um 8 Uhr eröffnete Samtgemeindebürgermeister und Stadtdirektor Manfred Windhaus das 10. Faire Wirtschaftsfrühstück bei ALMA by Arnold’s Bauernhofcafé in Samern. Das bewährte Veranstaltungsformat stieß erneut auf großes Interesse: Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik nutzten den Morgen, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren, neue Impulse mitzunehmen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Zum Auftakt gab Windhaus einen Überblick über zentrale Themen in Schüttorf. Im Mittelpunkt standen die anstehenden Bauvorhaben und das neue Baugebiet „Zebelinger Esch“. Mit den geplanten Projekten werde in den kommenden Jahren eine erhebliche Zahl neuer Wohneinheiten geschaffen. Dies könne der demografischen Entwicklung wichtige Impulse geben. Gleichzeitig müsse frühzeitig berücksichtigt werden, welche Auswirkungen das Wachstum auf die kommunale Infrastruktur haben werde – insbesondere auf Schulen, Kindertagesstätten und weitere öffentliche Einrichtungen.

Anschließend rückte die Digitalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen in den Fokus. Andreas Kremer von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Grafschaft Bentheim und Digitalcoach Jana van Bassen von it.emsland stellten den Digital Hub Grafschaft Bentheim vor. Das gemeinsame Förderprojekt der Kreiswirtschaftsförderung, von it.emsland und des Grafschafter TechnologieZentrums unterstützt Unternehmen auf ihrem Weg in die digitale Zukunft – anbieterneutral, praxisnah und kostenfrei.

Gerade kleinere Unternehmen stünden häufig vor der Frage, wo sie bei der Digitalisierung überhaupt anfangen sollen. Begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen, die hohe Entwicklungsgeschwindigkeit und eine Vielzahl möglicher Technologien erschwerten den Einstieg. Dabei gehe es längst nicht nur um neue Software. Erfolgreiche Digitalisierung betreffe ebenso die betrieblichen Prozesse, den Umgang mit Daten, die Organisation des Unternehmens und die Einbindung der Mitarbeitenden.

Der Digital Hub setzt deshalb bewusst bei den konkreten Herausforderungen der Betriebe an: Wo verursachen manuelle Abläufe unnötigen Aufwand? Welche wiederkehrenden Tätigkeiten lassen sich automatisieren? Wie können vorhandene Daten besser für Planung, Entscheidungen oder Kundenservice genutzt werden? Und wo kann künstliche Intelligenz die Beschäftigten im Arbeitsalltag sinnvoll unterstützen?

Das Angebot reicht von individuellen Erstgesprächen über Workshops und KI-Sprechstunden bis hin zu Netzwerkveranstaltungen. In den Formaten „Auf’n Schnack“ und „Auf’n KI-Schnack“ können Unternehmen ihre Ideen und Fragestellungen in einem vertraulichen Einzelgespräch einordnen lassen. Ziel ist nicht der Verkauf einer bestimmten technischen Lösung, sondern eine fundierte Orientierung: Welche Prozesse sind relevant, welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden und welche nächsten Schritte sind sinnvoll?

Ergänzt wird das Angebot durch praxisbezogene Workshops. Am 9. September steht in Nordhorn beispielsweise die „Kunst des Promptens“ auf dem Programm. Weitere Veranstaltungen beschäftigen sich mit KI-Agenten und dem Übergang von der einfachen Chat-Nutzung zur Automatisierung betrieblicher Prozesse. Auch die Nordhorner Digitaltage am 8. Oktober bieten Unternehmen Gelegenheit, sich über Digitalisierung und künstliche Intelligenz zu informieren und mit anderen Betrieben auszutauschen. Der Digital Hub soll dabei bestehende Angebote in der Region gezielt ergänzen und miteinander vernetzen, statt neue Doppelstrukturen aufzubauen.

Nach dem digitalen Blick in die Zukunft leitete Windhaus zu einem Projekt über, das gesellschaftliches Engagement und konkrete Stadtentwicklung miteinander verbindet. Arthur Lieske stellte die Arbeit des WohnSinnHaus e. V. vor. Der Verein verfolgt das Ziel, in Schüttorf bezahlbaren und inklusiven Wohnraum für junge Menschen mit Behinderungen zu schaffen – zentral gelegen und in ihrem vertrauten sozialen Umfeld.

Als Standort ist der ehemalige Feuerwehrparkplatz vorgesehen. Die vorgestellten Planungen umfassen zehn Wohneinheiten sowie Gemeinschafts- und Funktionsräume. Der Verein arbeitet bereits seit 2024 intensiv an der Umsetzung. Inzwischen sind wichtige Voraussetzungen erfüllt: Die NBank hat das Vorhaben als förderungswürdig eingestuft, bei Aktion Mensch wurde ein Förderantrag gestellt und die Stiftung Wohnhilfe hat eine Voranfrage positiv aufgenommen. Auch eine finanzierende Bank ist eingebunden.

Damit befindet sich das Wohnprojekt nach Einschätzung des Vereins auf der Zielgeraden. Für die Finanzierung werden jedoch insgesamt 190.000 Euro an Eigenmitteln benötigt. Davon stehen bislang 85.000 Euro zur Verfügung. Es verbleibt somit eine Finanzierungslücke von rund 105.000 Euro. Lieske warb deshalb bei den anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmern um Unterstützung. Weitere Informationen zum Projekt und zu Spendenmöglichkeiten sind unter www.wohnsinnhaus.de sowie per E-Mail an lieske@wohnsinnhaus.de erhältlich.

Das 10. Faire Wirtschaftsfrühstück zeigte damit zwei unterschiedliche, aber gleichermaßen zukunftsweisende Handlungsfelder: Unternehmen müssen die Chancen der Digitalisierung entschlossen nutzen – und eine wachsende Stadt braucht Projekte, die gesellschaftliche Teilhabe konkret ermöglichen. Zugleich bestätigte die gute Resonanz erneut den Wert des Formats: Das Wirtschaftsfrühstück bringt Akteure zusammen, schafft Raum für neue Ideen und macht aus Information im besten Fall gemeinsames Handeln.

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